AG Oberflächenverkehr stellt sich vor

Beim Oberflächenverkehr scheiden sich seit jeher die Geister: Die einen sehen Rot, die anderen schütteln nur den Kopf.

Zugegeben: Viele Wohnungen sind vom Lärm der U6 bzw. der A.-Baumgartner-Straße viel stärker betroffen als vom Oberflächenverkehr im Harry-Glück-Park. Die Ausgangslage in den 1970ern war auch eine ganz andere. Wir wollen aber noch weitere Aspekte aufzeigen, bevor wir uns und unsere Ziele weiter unten vorstellen.

Wozu die ganze Aufregung?

„Das Verkehrskonzept im Wohnpark Alt-Erlaa bringt klar zum Ausdruck, daß die Stadt dem Menschen und nicht dem Auto gehören soll“, verkündete man 1973 noch stolz. 1 „Ein Autoabstellplatz pro Wohnung und dennoch keine Autos in der Anlage: Der gesamte Verkehr wird unterirdisch geführt, Kinder sind ungefährdet, die Belästigung durch Abgase entfällt.“ Als prinzipiell „autofrei“ wird der Wohnpark auch heute noch bezeichnet. 2

Worum geht’s also?

Für Harry Glück – den Architekten des Wohnparks – waren das mehr als nur Werbefloskeln. Bei anderen Bauten erwirkte er etwa die Auflassung von Straßen oder schützte mit großem baulichen Aufwand sein Wohnidyll vor einer Hauptverkehrsader. 

Entsprechend ist der nach ihm benannte Park vor unserer Haustür nicht bloß ein Schauobjekt. Er ist vielmehr ein Rückzugsort inmitten der Stadt, wo sich alle möglichst frei und sicher bewegen können sollen – egal, ob jung, alt, mit Tieren, körperlichen Einschränkungen, etc.

Und worum geht’s nicht?

Während man sogar das Radfahren über 12 Jahren verbot und das selbst heute noch einmahnt, gehören parkende Fahrzeuge und täglich rund 100 Fahrten inzwischen zum Alltag. Klar, dass es notwendige Einfahrten gibt, aber alles mit Maß und Ziel! Eine Lärmreduktion – leider nur für einen Teil der Wohnungen – ist dabei allerdings nicht Ziel, sondern lediglich Nebeneffekt.

Nicht für die heutige Zeit geplant?

Was trotzdem bleibt, sind Mieter und Hausbetreuung, die immer öfter Dienste und Lieferungen beziehen, während Parkplätze schlichtweg fehlen. Verändert haben sich jedoch auch unsere Garagen: Einerseits durch weitere Parkplätze auf den zuvor freien 2-spurigen Verbindungsstraßen neben den Lifttürmen, die man früher mitunter für Handwerker nutzte. Andererseits durch die nicht durchgängig für Fahrzeuge über 2,1 m errichtete Verbindungsgarage zwischen den Blöcken, weil unter der Kirche weder das Niveau noch beide Fahrstraßen beibehalten wurden. 3

Also einfach so akzeptieren?

Keine Frage, in den letzten Jahrzehnten wurde einiges versucht: Man versah beispielsweise alle Zufahrten mit Schranken und Kameras, zäunte Spielplätze zum Schutz vor schnell fahrenden Fahrzeugen ein und erwirkte zuletzt eine öffentliche Ladezone. Allein die große Verbesserung blieb aus und so sieht jeder die Verantwortung beim anderen: bei sorglosen Bewohnern, die ihre Zusteller nicht informieren, beim Personal am Schranken oder auch beim ständig wechselnden und schlecht geschulten Zustellpersonal.

Eine Aufgabe für Sisyphus?

Angesichts der vielen Beteiligten braucht es viel Verhandlungs- und Überzeugungsarbeit, um große Stolpersteine aus dem Weg zu räumen (Stellplätze, Orientierung, Hauszutritt, Paketboxen, …). Zudem wollen wir unbedachte Folgen wie zuletzt bei der Amazon-Garagenzustellung möglichst vermeiden und planen daher mehrere, kleine Schritte. Ein Anfang ist mit dem REKA-Botendienst gemacht, der nun 2-mal täglich die Garage statt des Parks befährt. Wir sind zuversichtlich, dass weitere Schritte möglich sind und werden wieder berichten.

Unsere Ziele/Idealvorstellung

  • Harry-Glück-Park als Oase der Erholung erhalten.
  • KFZ-Verkehr auf das Notwendigste reduzieren.
  • Radfahrer*innen und Fußgänger*innen begegnen sich mit Vernunft und Rücksicht.
  • Liefervielfalt erhalten.
  • Lage für Mieter vereinfachen (Paketboxen/-shops, …)
  • Einsatzkräfte besser leiten, Feuerwehrzufahrten freihalten.
  • Klare (Mieter-)Informationen
  • Service- und mieterfreundliches Miteinander, verbindliche Regeln

Mitglieder der MBR-Arbeitsgruppe Oberflächenverkehr:

Albert Leidinger
Tina Breitenstein
Julius Ehrlich
Chris Habicher
Michaela Horvath
Stephan Palecek
Elisabeth Studencki

Abbildungen:

Quellen:

1 und 3: Besser Wohnen Wohnen 2/Mai 1973, Sonderheft Wohnpark, Verantwortlicher Redakteur: Franz Klar (Anm.: Franz Klar war zuvor Pressesprecher der GESIBA und anschließend Chefredakteur bzw. Herausgeber des Alt-Erlaa Journal)

2: Mieterhandbuch für Mieterinnen und Mieter, Ausgabe 2013, Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft Wohnpark Alt-Erlaa

Fotos: MBR Wohnpark Alterlaa

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